Studie

Einzelhandel in der Krise: Differenzierter Blick auf unterschiedliche Branchen wichtiger denn je

Feb 2021
Die Branchen des Einzelhandels entwickeln sich auch in Krisenzeiten nie in dieselbe Richtung. Immer gibt es Gewinner und Verlierer, denn einige Handelskonzepte profitieren auch in der Krise. Besonders betroffen von der Corona-Krise und den behördlich angeordneten Schließungen sind die Innenstädte.

Gerade jetzt ist ein differenzierter Blick auf die unterschiedlichen Branchen wichtiger denn je. Denn der Pandemieeffekt führt zu Branchen-und Betriebstypenverzerrungen, zu deutlichen Lageverschiebungen sowie zu einem starken Wachstum des Online-Handels. Wichtig ist die Bewertung der Gründe der Veränderungen und deren Nachhaltigkeit.

Zu den Verlierern in der Krise zählt der Home & Interior-Markt. So ist für das Jahr 2020, je nach Szenario, mit einem Umsatzrückgang zwischen 1,0 Milliarden und 3,2 Milliarden Euro zu rechnen. Zu diesen und weiteren Ergebnissen kommt der neue „Branchenbericht Home & Interior“ des IFH KÖLN und der BBE Handelsberatung. (Zur Studie Branchenbericht Home & Interior 2020)

Die Corona-Pandemie sorgt auch im Schmuck- und Uhrenmarkt dafür, dass die Branche ein Déjà-vu erlebt. So fällt das Gesamtmarktvolumen 2020 deutlich auf 5,55 Milliarden Euro zurück – dies zeigen die Zahlen des neuen „Branchenfokus Schmuck & Uhren“ des IFH KÖLN und der BBE Handelsberatung. „Der Onlinehandel mit Uhren und Schmuck ist zwar auf dem Vormarsch, fängt aber die stationären Einbußen nicht auf. Tourismus, Lust am Shopping, Inspirationen sind notwendig, um die Corona-Schäden wieder auszugleichen. Um wieder auf das alte Niveau zu kommen, sind Geduld und Durchhaltevermögen notwendig,“ so Peter Frank, Senior Consultant bei der BBE Handelsberatung. (Zur Studie Branchenfokus Schmuck & Uhren 2020/21)

Während ein Großteil der Nonfood-Branchen von starken Umsatzeinbrüchen betroffen ist, zeichnet sich bei den Freizeitmärkten (Sport, Spielwaren, Fahrräder, Musikinstrumente und Bücher) ein sehr differenziertes Bild ab. Zwar kann nach ersten Hochrechnungen für 2020 mit einem deutlichen Umsatzplus von rund 850 Millionen Euro (+2,9 %) gerechnet werden, das jedoch auf die hohen Umsatzzuwächse im Fahrradmarkt zurückzuführen ist. Bereinigt um die Fahrradumsätze realisiert der Gesamtmarkt Freizeit ein leichtes Umsatzminus von 0,1 Prozent gegenüber 2019. Zu diesen und weiteren Ergebnissen kommt der neue „Branchenbericht Sport-, Spiel- & Freizeitmärkte“, Jahrgang 2020, des IFH KÖLN und der BBE Handelsberatung. (Zur Studie Branchenbericht Sport-, Spiel- und Freizeitmärkte 2020)

Bei Betrachtung der Teilmärkte im Freizeitbereich finden sich deutliche Gewinner und Verlierer: Bei den beiden umsatzstarken Branchen Sport- und Spielwaren ist nur von einem minimalen Plus (+1,0 % bzw. +1,1 %) auszugehen. Hier sind es vor allem die Team- und Wintersportarten, die 2020 verlieren. Demgegenüber stehen gute Ergebnisse bei Sportgeräten, die in den eigenen vier Wänden eingesetzt werden. Im Markt für Musikinstrumente steigert sich das Umsatzvolumen voraussichtlich um 3,8 Prozent.

Am stärksten betroffen durch die Krise: Der deutsche Buchmarkt. Hier können die Umsatzverluste nicht kompensiert werden, es muss für 2020 mit einem Minus von 2,9 Prozent gerechnet werden.

Die überwiegend positiven Einzelmarkttendenzen sollten alles in allem nicht darüber hinwegtäuschen, dass vor allem der Fachhandel stark unter Druck steht. So liegen die Umsatzverluste im institutionellen Fachhandel (ohne den Fahrrad-Fachhandel) nach Hochrechnung mit mehr als vier Prozent deutlich im Minus.