Corona-Krise: Learnings für Kommunen

Der Lockdown im März war für alle Einkaufsinnenstädte ein Schock. Seitdem Handel und Gastronomie unter Auflagen wieder öffnen dürfen, geht es mit den Passantenfrequenzen, der Konsumstimmung und den Umsätzen zwar wieder aufwärts, doch kann von Normalität noch lange keine Rede sein. Viele Kommunen haben sich inzwischen auf die neue Situation eingestellt und in den letzten Monaten neue Erfahrungen gesammelt und dazugelernt.

Aus Sicht der BBE Handelsberatung ergeben sich vor allem folgende „Learnings“:

1. Eine leistungsfähige Nahversorgung war und bleibt der Stabilitätsanker: Vor allem in kleineren Innenstädten sind Lebensmittel- und Drogeriemärkte inzwischen die wichtigsten Frequenzbringer. Voraussetzung ist allerdings, dass sie ausreichend dimensioniert und gut erreichbar sind.

2. Qualität zahlt sich in der Krise besonders aus: Wer mit verlässlichem Service und persönlicher Ansprache Kundenvertrauen und –bindung aufgebaut hat, konnte auf die Loyalität der Stammkunden zählen und hat viel Zuspruch und Unterstützung erfahren. Ob sich die vielerorts entstandenen lokalen Online-Plattformen auf Dauer tragen werden, bleibt allerdings abzuwarten.

3. Online profitiert, aber nicht unbedingt zu Lasten der Innenstädte: In der Lockdown-Phase haben die Kunden mehr online gekauft, aber auch gespürt, was ihnen dabei im Vergleich zu einer realen Einkaufsstadt fehlte. Am liebsten möchten sie nun das stationäre Einkaufserlebnis zurück, ohne auf die Auswahl und den Komfort des Online-Handels verzichten zu müssen. Zukunftsfähige Shoppingstandorte werden beiden Ansprüchen genügen müssen.

4. Schwächelnde Shoppingcenter und leerstehende Kaufhäuser werden in mancher Innenstadt zur Schicksalsfrage: Die Neupositionierung prominenter City-Immobilien muss über den Tellerrand des Einzelhandels und des eigenen Grundstücks hinaus als Mixed-Use-Quartiersentwicklung gedacht und umgesetzt werden. Auch in Großstädten werden sich Verkaufsflächen aus den Obergeschossen zurückziehen. Um die Attraktivität eines Standortes und den Wert der Immobilien zu erhalten wird mehr verändert werden müssen als viele wahrhaben wollen.

5. Gastronomie ist doch nicht das neue Textil: Denn nun hat die Branche selbst schwer unter den Corona-Auflagen zu leiden und fällt wohl als Nachfolgenutzung aufgegebener Fashionanbieter weitgehend aus, weil viele Unternehmen um ihr Überleben kämpfen. Dies dürfte im bevorstehenden Winterhalbjahr noch deutlicher werden, wenn besorgte Kunden nicht mehr auf die Außengastronomie ausweichen können.  

6. Attraktive Einkaufsmöglichkeiten bleiben wichtig, verlieren aber an Bedeutung: Gewinner der Zukunft werden wohl Innenstädte sein, die verstärkt auf städtebauliche Qualität (Plätze, Boulevards, historische Gebäude), Wohnen und im besten Fall auch Kultur- und Freizeitangebote setzen. Universitätsstädte und touristische Destinationen sind sowieso im Vorteil. Wer aber lediglich eine in die Jahre gekommene Fußgängerzone und beim Handel nur Standard bietet, wird zunehmend ins Abseits geraten.

 

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