Bau- und Gartenmärkte: Social Cocooning sorgt für Umsatzschub

Das Segment Do-it-Yourself in großflächigen Baumärkten und Garten-Centern wird eher zu den »Gewinnern« der Krise gehören. Nur wenige der Märkte waren vom Shutdown betroffen und selbst dann nur sporadisch oder für kurze Zeit.

Obwohl den Händlern ein Stück weit das wichtige Ostergeschäft verhagelt wurde, kamen die Lockerungen gerade rechtzeitig zum traditionell umsatzstärksten zweiten Quartal, in dem – bedingt durch das gute Wetter und freundliche Temperaturen – es wieder viele Menschen in den eigenen Garten gezogen hat. Es ist davon auszugehen, dass während der „Isolation“ (Homeoffice, Kurzarbeit) vermehrt Garten-, Haus-, und Renovierungsprojekte angeschoben wurden. Die teilweise sehr hohen Durchschnittsbons und -umsätze in den Märkten unterstreichen diesen Cocooning-Trend, also den Wunsch nach Aufwertung des eigenen Zuhauses.

Ulrich Kollatz, Branchenexperte bei der BBE Handelsberatung: „Experten sprechen von einem historischen Baumarkt-Boom in Deutschland. Dies können auch wir bestätigen, wenn man einen Blick insbesondere auf das 2. Quartal wirft.“ Trotz der heißen Sommermonate, die ansonsten eher für wenig Frequenz in den Bau- und Heimwerkermärkten sorgt, sei es in diesem Jahr anders gewesen. „Wir gehen auch im 3. Quartal von einem Umsatzplus von ca. 11 Prozent aus.“ Die bestehenden Reisebeschränkungen und die fehlende Fernurlaubsperspektive haben der Branche laut Kollatz einen zusätzlichen Auftrieb gegeben. Einzelne Sortimente wie Farben und Zubehör waren im 1.Halbjahr laut dem Bundesverband BHB nach einem Plus von ca. 38 Prozent zeitweise ausverkauft. Mit einem Plus von knapp 30 Prozent hat auch Holz deutlich zugelegt. Baumaterial und Bauchemie verzeichnete einen Zuwachs von knapp 25 Prozent.

Das vierte Quartal birgt sicherlich auch für das Branchenumfeld DIY / Garten konjunkturelle Risiken nach dem Abflauen der aktuellen Sondereffekte. Kollatz: „Für das nun anstehende letzte Quartal rechnen wir mit einer schrittweisen Normalisierung der Umsatzentwicklung. Die Bau- und Gartenmärkte werden in dieser nass-kalten Zeit wieder mit Kaminen, Öfen oder Saunen beim Verbraucher punkten. Und auch klassische Dekorationsartikel für die Weihnachtssaison sind sicherlich ein Umsatzbringer. Insgesamt erwarten wir gegen Jahresende voraussichtlich das gleiche Umsatzniveau wie im 1.Quartal 2020. Die Zuwachsraten werden vermutlich ungefähr auf dem Niveau des 1. Quartals liegen.“ Die gute Ausgangslage trägt sich somit auch weiter fort für das restliche Geschäftsjahr. Kollatz: „Wir erwarten für das gesamte Geschäftsjahr 2020 ein sattes Umsatzplus von 9 bis 13 Prozent.“

Im Folgejahr 2021 driftet die Spannweite in der Umsatzerwartung auseinander, die Angesprochenen konjunkturellen Risiken sind ebenso zu beachten wie die Nachwirkung vieler vorgezogener, zeitlich konzentrierter »Do-it-yourself-Projekte«. Dennoch schwankt die Jahresprognose der BBE nur um - 1 Prozent im pessimistischen Verlauf bis +1 Prozent im eher optimistischen Verlauf. Das Branchenumfeld DIY / Garten wird im betrachteten Zeitraum das ohnehin hohe Umsatzniveau trotz einzelner oder regionaler Turbulenzen halten können.

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Dr. Ullrich Kollatz

BBE Handelsberatung GmbH
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