Strukturelle und vorübergehende Effekte der Corona-Pandemie

Anfang Dezember 2020 hat die BBE gemeinsam mit der IPH eine Umfrage bei Handelsunternehmen, Immobilieneigentümern, Mitarbeitern von Kommunen und Verbänden sowie Dienstleistern zu ihrer Einschätzung der Auswirkungen der Pandemie befragt.

Im Jahr 2020 gab es im stationären Handel über alle Branchen hinweg nicht nur Verlierer. Neben dem Lebensmitteleinzelhandel konnten vor allem die Branchen für Einrichten, Garten und DIY von den Verschiebungen profitieren. Aber auch die Fahrradbranche und andere Teilbranchen wie Fitnessgeräte haben coronabedingt eine Sonderkonjunktur erfahren. Die Bereiche Mode und Schuhe, die schon zuvor vor großen Herausforderungen standen, sind die großen Verlierer. Diese Entwicklung zeigte sich auch bei den teilnehmenden Händlern.

Die Krise und das damit verbundene veränderte Einkaufsverhalten haben sich auf verschiedene Standorte und Betriebstypen unterschiedlich ausgewirkt. Was vor Corona als Hochfrequenzlage und krisensicher galt (Flughäfen, städtische 1A-Lagen und gut frequentierte Shopping-Center), verlor in der Pandemie. Kleinstadt- und Solitärlagen konnten bedingt durch Lokalität aber auch Entwicklungen wie vermehrt genütztes Homeoffice profitieren. Für die weitere Entwicklung wird von den Befragten insbesondere die Erholung von Innenstadt- und Shopping-Center-Lagen hinsichtlich Frequenz und Umsatzpotenzial als sehr kritisch bewertet.

Durch die Schließungen im Lockdown wurde die auch schon vor Corona positive Entwicklung des Onlinehandels beschleunigt. Händler, die bereits zuvor auf eigene Onlineshops oder Plattformen und Marktplätze gesetzt hatten, versuchten von dieser Entwicklung zu profitieren und zumindest einen Teil des Umsatzverlustes zu kompensieren. Händler, die bisher nicht oder kaum digital wahrnehmbar waren, haben versucht, ihre digitale Sichtbarkeit zu erhöhen und konnten in vielen Bereichen von der Werbung, der Kundenansprache, des Beratungsgesprächs bis hin zur zeitnahen Abstimmung mit Mitarbeitern positive Resonanz verzeichnen. 

 

Umsatzentwicklung ausgewählter Branchen seit Beginn der Krise im Vergleich zu 2019

 

Erwartung der Entwicklung von unterschiedlichen Lagen aufgrund der Beschränkungen

Erwartung von langfristig negativen Auswirkungen für den stationären Handel aufgrund der Beschränkungen

Nach der Pandemie wird der Handel ein anderer sein. Über 90 % der befragten Händler sehen langfristig negative Auswirkungen für den stationären Handel, im Vergleich dazu waren in der BBE Befragung aus dem Sommer 2020 82 % der befragten Händler dieser Meinung. Die häufigsten Nennungen bezogen sich auf das veränderte Konsumverhalten, sinkende Frequenzen sowie Leerstände und Geschäftsaufgaben.

Besonders groß ist die Besorgnis, die Kunden könnten sich in Zukunft noch häufiger für digitale statt für stationäre Einkäufe entscheiden werden. Während der Lockdowns waren Online-Stores – abgesehen von Nahversorgern – oft die einzigen Geschäfte, die „geöffnet“ hatten. Wer vor der Pandemie als Konsument noch als „Nonliner“ oder „Digital-Verweigerer“ galt, konnte sich während des Lockdowns verstärkt die Vorzüge des Online-Handels gesucht haben.

 

Digitale Sichtbarkeit und Einsatz von Kundenbindungsinstrumenten

Der Lockdown hat viele Händler zu Anpassungen gezwungen. Nicht wenige sind dabei neue (digitale) Wege gegangen. Social-Media-Aktivitäten und digitale Vertriebskanäle wurden verstärkt ausgebaut. Eine Erkenntnis aus der Pandemie scheint für die Händler zu sein, dass kein Weg mehr um das Thema "Online" herumführt.

Welche verkaufsfördernden Maßnahmen haben Sie zur Bewältigung der Krise umgesetzt?

Welche Kundenbindungsinstrumente setzen Sie ein?

 

Die größten Herausforderungen für den Einzelhandel 2021 nach Einschätzung der teilnehmenden Händler

 

Ansprechpartner

Sebastian Deppe

Leiter Team Unternehmensberatung
Brienner Str. 45,
80333 München