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Zukunft der Handelsimmobilie: Für die Herausforderungen gibt es keine Patentrezepte

Mai 2022
Die Innenstädte verändern sich rasant, stationäre Formate und damit auch die Immobilien stehen unter Druck, neue Vermietungskonzepte werden gesucht. Welche Zukunft hat die Handelsimmobilie, vor allem nach zwei Pandemie-Jahren - mit all ihren Einschränkungen und Neuerungen für den Einzelhandel und die Einzelhandelsimmobilie?

Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE Holding: „Wir werden weniger Handelsfläche brauchen. Es gibt aber keine Patentrezepte für Nachnutzungen. Es ist klug, je nach Standort zu schauen: Welche Bedarfe sind stattdessen vorhanden? Im Bereich Gesundheit, Coworking, Wohnen, Pflege etc. haben wir z.B. ganz andere Wachstumsraten.“ Städte sind laut Stumpf gut beraten, ihren ordnungsrechtlichen Rahmen auszuweiten, die Immobilienwirtschaft sollte zudem mit ins Boot geholt werden. „Wir als Verbraucher*innen bestrafen Mittelmaß - von daher bleibt es spannend, wie wir in Zukunft Städte und Handelsimmobilien entwickeln.“

In einem gemeinsamen Webinar von BBE Handelsberatung, IPH Handelsimmobilien und der Wirtschaftskanzlei Rittershaus wurden die zehn wichtigsten Thesen zu den aktuellen Herausforderungen für Handel und Immobilienwirtschaft präsentiert:
 

  1. Es gibt leider kein Patentrezept für die Substitution von Nonfood-Nutzungsmischungen auf Stadt- und Objektebene.
  2. Es gibt eine hohe Polarisierung zwischen starken und schwachen Makro- und Mikrostandorten
  3. Sinkende Mieten und der Revitalisierungsbedarf bieten auch Chancen
  4. Städte können vom Transformationsprozess der Shopping Center lernen
  5. Das Handelsmanagement muss nun weiter Kanäle verzahnen, Erlebnisse stationär schaffen, Capture- und Conversion Rate erhöhen
  6. Durch sog. Pandemieklauseln/ Force-majeure-Klauseln können Parteien die gesetzliche Risikoverteilung vertraglich ändern
  7. Ein Anspruch des Mieters auf Vertragsanpassung kommt ggf. in Betracht, ist einzelfallabhängig
  8. Die Bewertung der strategischen Komponente des Mietverhältnisses wird immer wichtiger
  9. Mithilfe unseres Retail Handling Guides, speziell des Miet-Simulators, ist der "Corona-Schaden" der Einzelhändler kalkulierbar
  10. Es gibt aber auch eine Vielzahl an handelsnahen Nachnutzungen, die mit ihren neuen Konzepten in die Ladenlokale einziehen: z.B. Vintage Fabrik, Vaund, Urbanbird, MyMemoria, oder e.Go.
  11. eine intensive und zielgerichtete Zusammenarbeit von Kommune und Eigentümer ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung der Innenstädte
  12. proaktives Handeln und Investitionsbereitschaft sollten auf Seiten der Eigentümer vorhanden sein

 
Lars Jähnichen, Geschäftsführer der IPH Handelsimmobilien: „Auch während der Corona-Pandemie kamen und kommen neue Konzepte und Trends auf den deutschen Markt.“ Zum einen sei dies der Vintage-Trend. „Letztes Jahr haben wir die Vintage Fabrik z.B. nach Hamburg geholt. Zum anderen rücken die Hersteller zunehmend direkt an den Kunden heran, werden selbst Mieter, wie bspw. Dyson. Da geht es nicht so sehr ums Verkaufen, sondern um das Vermitteln eines Lebensgefühls. Konzepte, die Retail as a service anbieten, nehmen diesen Trend auf und verbinden ein neues Einkaufserlebnis für den Kunden mit Informationsbeschaffung für die Hersteller.“
 
Wichtiger Hinweis:
Wegen der starken Nachfrage und der positiven Resonanz wird das Webinar am 30. Juni 2022 (11.30-12.30 Uhr) in Zusammenarbeit mit der Kanzlei Freshfields, Bruckhaus, Deringer angeboten. Interessierte können sich hier anmelden.