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Fahrradbranche: Mehr Ertrag aus der Werkstatt

Mär 2026
Viele Fahrradwerkstätten schöpfen ihr Umsatzpotenzial noch nicht vollständig aus.

Nicht, weil zu wenig gearbeitet wird, sondern Prozesse an vielen Stellen nicht optimiert sind oder Leistungen nicht vollständig erfasst werden. Wer die Produktivität steigern will, sollte vor allem Organisation und Abläufe in der Werkstatt verbessern.

Es gibt nicht wenige Werkstätten die täglich Umsätze liegen lassen, ohne es zu merken. „In vielen Werkstatt-Betrieben ist der zeitliche Anteil nicht verrechneter Arbeitswerte höher als der Anteil der verrechneten Arbeitswerte“, sagt Florian Schöps, Manager Unternehmensberatung bei der BBE Handelsberatung. „Wer seine Prozesse analysiert und diese transparent an wenigen Kennzahlen auswertet, erkennt schnell, wo Leistung verloren geht.“

Ein zentraler Hebel liegt bereits bei der Annahme der Räder. Die Dialogannahme sei entscheidend, um den tatsächlichen Arbeitsumfang korrekt zu erfassen. „Sie sollte regelmäßig trainiert werden – auch kurze Einheiten im Team helfen“, so Schöps. Wichtig sei, dass der annehmende Mitarbeiter konsequent alle Dienstleistungen im Auftrag festhält und. Grundlage dafür sei eine saubere AW-Liste und eine realistische Planung von Reserven.

Ebenso sollte der Kunde auf Verschleißteile angesprochen und sensibilisiert werden – ein weiterer Hebel für einen hohen Auftragswert. Auch Zubehörmontagen bei Neurädern sollten zumindest im Auftrag erscheinen. „Nur was dokumentiert ist, kann später auch berechnet oder im Falle eines Rabattgesprächs verhandelt werden.“

Neben der Annahme entscheidet vor allem die Organisation der Werkstatt über die Produktivität. Einer der größten Zeitfresser sind ständige Unterbrechungen. Gespräche unter Kollegen, spontane Rückfragen oder kurze Pausen kosten in Summe viel Zeit. „Ziel muss sein, dass ein Auftrag möglichst ohne Unterbrechung komplett abgearbeitet wird“, sagt Schöps. Mindestens eine Person in der Werkstatt sollte deshalb ungestört schrauben können.

Hilfreich sei außerdem mehr Transparenz über die erbrachte Leistung. Schon einfache Lösungen wie eine Tafel oder kurze Morgenrunden schaffen Überblick über Aufträge und Auslastung und geben mehr Struktur. Auch die Produktivität pro Mechaniker über die individuellen Arbeitswerte können wertvolle Hinweise liefern und motivieren.

Oft ist es auch die Summe an kleinen Wegen, die sich täglich mehrfach wiederholen. „Eine einmalige Stoppuhranalyse zeigt oft schnell, wo Zeit verloren geht – etwa beim Suchen von Werkzeug, Rädern oder gar dem Besen.“

Um saisonale Schwankungen besser auszugleichen, empfiehlt der Handelsexperte zudem eine aktivere Planung der Werkstattauslastung. Inspektionen oder Dienstrad-Checks über gezielte Erinnerungsaktionen können mehr Traffic in die ruhigeren Monate bringen. Auch eine gut sichtbare Online-Terminvereinbarung könne helfen, Kapazitäten besser zu steuern.

Für Schöps steht fest: „Die Steigerung der Produktivität über schlanke und klare Prozesse ist meist der größere Hebel als eine Erhöhung der Stundensätze.“ Entscheidend seien klare Abläufe und eine gute Organisation. „Eine Werkstattleitung muss nicht unbedingt der beste Schrauber sein – wichtiger ist, dass sie strukturiert organisiert.“
 

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Florian Schöps

Manager Unternehmensberatung
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