Zählung der Passantenfrequenz: Neue Richtlinie soll möglichst repräsentative Ergebnisse liefern

Ob in der Einkaufsstraße, in Shopping-Centern oder davor. Ob mit Laserscanner, per Mobilfunkortung oder dem guten alten Zählei: Das Messen und Vergleichen der Passantenfrequenz an Einzelhandelsstandorten erinnert etwas an einen Beliebtheitswettbewerb. Kurzum wird mit der Passantenfrequenz erfasst, wie viele Menschen eine (gedanklich) festgelegte Strecke im öffentlichen Raum innerhalb eines bestimmten Zeitabschnitts durchqueren, wobei Mehrfachzählungen möglich sind.

An welchen Orten verkehren die Menschen am liebsten?  Wessen Innenstadt ist attraktiv, wessen nicht? Wie viele Besucher laufen jedes Jahr durch ein Shopping-Center?

Wenn es um die Anziehungskraft von Einzelhandelslagen und -immobilien geht, entscheiden am Ende die nackten Zahlen. Markus Wotruba, Leiter Standortforschung, BBE Handelsberatung: „Händler können anhand der Frequenz herausfinden, wie gut ihr Ladengeschäft von der Laufkundschaft wahrgenommen wird und Umsatzprognosen aufstellen.“ Dazu vergleichen sie die gemessene Frequenz mit der Zahl tatsächlicher Einkäufe im Geschäft (dazu muss lediglich die Zahl der Kassenbons im Messzeitraum ermittelt werden). So können sie herausfinden, aus wie vielen Besuchern tatsächlich Kunden werden (Konversion). Maklern und Eigentümern von Handelsimmobilien wiederum gibt die Frequenz Aufschluss über die Marktgängigkeit ihrer Objekte und damit eine Ermittlungsgrundlage für den Immobilienwert oder die Miethöhe. Und Kommunen hilft die Frequenz dabei, die (Aufenthalts-)Qualität öffentlicher Orte zu bestimmen, Einzelhandelskonzepte zu entwickeln und den Verkehr in öffentlichen Räumen besser zu planen – sofern sie sich auf die Messungen verlassen können. Wotruba: „In der Vergangenheit war das jedoch nicht immer selbstverständlich. Wie ungenau gezählt wurde, verrieten die zum Teil stark abweichenden Messergebnisse, die je nach Ermittlungsmethode bis zu 100 Prozent abweichen konnten, obwohl sie am selben Ort durchgeführt wurden.“ Hinzu kam, dass die Jahresdurchschnittswerte stark von bestimmten Spitzenzeiten wie kurz vor Ostern oder in der Vorweihnachtszeit beeinflusst wurden.

Wenngleich heutzutage zur Messung der Passantenfrequenz immer bessere Verfahren zum Einsatz kommen, werden auf absehbare Zeit auch weiterhin Passantenzählungen manuell mit Zählpersonen als Stichprobe durchgeführt werden. Für diese Methode hat die Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung e.V. (gif) nun eine neue Richtlinie herausgegeben, die möglichst repräsentative Ergebnisse für die durchschnittliche Passantenfrequenz im gesamten Jahresverlauf liefert. An dieser Richtlinie mitgewirkt hat auch die BBE Handelsberatung. Wotruba: „Statt wie bisher Messungen an unterschiedlichen Tagen vorzunehmen und daraus einen Jahresdurchschnittswert zu errechnen, soll gemäß der neuen Richtlinie ein Zeitraum gewählt werden, in dem die für ein ganzes Jahr geltende durchschnittliche Zahl von Passanten gezählt werden kann (nicht aber atypisch niedrige oder hohe).“ Die Auswahl geeigneter Zeiträume für eine Zählung orientiert sich an bereits vorliegenden Frequenzzählungen aus Ganzjahreserhebungen und nutzt so Wissen aus der Vergangenheit („Lernen aus Wissen“). Die Definitionen und Regeln der neuen Richtlinie sind sehr komplex und können von Interessierten hier auf der Internetseite der Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung bestellt werden.

Ansprechpartner:
Markus Wotruba

BBE Handelsberatung München
Brienner Str. 45
80333 München

Tel: +49 89 55118-176
Fax: +49 89 55118-153
E-Mail: wotruba@bbe.de