Wachstum ohne Ende?: Auswirkungen des Online-Handels

Der Einzelhandel war schon immer ein Spiegelbild gesellschaftlichen Wandels. Als im vorletzten Jahrhundert die ersten filialisierten Supermärkte entstanden, galten sie als Totengräber der selbstständigen Lebensmittelhändler und klassischen Wochenmärkte. Fast zur gleichen Zeit setzten die neu aufkommenden Warenhäuser – für damalige Verhältnisse regelrechte „Konsumtempel“ – kleinen Kaufleuten in den Einkaufsstraßen zu. Die Folgen dieser Disruption prägen die Einzelhandelsstrukturen unsere Städte bis heute.

Markus Wotruba, Leiter Standortforschung, BBE Handelsberatung, zeigte auf dem DIHK-Jahrestreffen der Handelsreferenten in Regensburg die Auswirkungen des Online-Handels auf die Innenstädte (Studie im Auftrag des Bundesbauministeriums und des Handelsverbands Deutschland HDE). Wotruba: „Der Anpassungs- und Verdrängungsdruck im Einzelhandel wächst. Händler und Vermieter von Einzelhandelsobjekten müssen sich immer mehr einfallen lassen, um die Kunden in die Läden zu locken.“ Denn obwohl die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den deutschen Einzelhandel so günstig wie schon lang nicht mehr sind, finde seit etwa 2011 das Wachstum kaum noch in der Fläche statt.

Von dem konjunkturellen Rückenwind profitiere vor allem der Online-Handel, so Wotruba. Der (stationäre) deutsche Einzelhandel befinde sich inmitten eines tiefgreifenden Strukturwandels. Den stationären Händlern bleiben deshalb laut Wotruba nur zwei Möglichkeiten, um auf den wachsenden Druck des Online-Handels zu antworten. Entweder, die Händler sind exzellent und haben eine ganz klare Positionierung für einen stationären Verdrängungswettbewerb oder sie selbst wachsen selbst online mit. Wotruba: „Der Handel in Deutschland ist durch einen zunehmenden Hyperwettbewerb gekennzeichnet, in dem dank verschiedenster Omnichannel-Strategien immer mehr Händler immer aggressiver auf dem Markt konkurrieren.“ 

Laut Wotruba wird der Verkaufsflächenbedarf auch unabhängig vom Online-Handel durch die Digitalisierung der stationären Konzepte sinken. Attraktive Zentren gewinnen, kleinere Städte verlieren an Bedeutung. Innerhalb der Städte zeigt sich eine Bedeutungszunahme zentraler Lagen. Die Trends arbeiten laut Wotruba gegen Grüne-Wiese-Standorte. „Nur eine Betrachtung der Entwicklung im Online-Handel in Verbindung mit den Entwicklungen der Rahmenbedingungen vor Ort erlaubt eine Prognose über die Zukunft einer Einzelhandelslage.“

Ansprechpartner:
Markus Wotruba

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