Turnaround im Modehandel: Best-Practice-Beispiel Modehaus „Kraus am Eck“ in Erding

Manche Modehäuser erleiden das Schicksal von Eintagsfliegen, andere beherrschen Jahrzehnte den Markt. Und dann gibt es noch das Modehaus „Kraus am Eck“ im bayerischen Erding. Mit seiner 377- jährigen Geschichte darf das mittlerweile in achter Generation geführte Bekleidungshaus aus heutiger Sicht als Singularität im schnelllebigen Geschäft mit der Mode gelten.

Als das „Kraus am Eck“ im Jahr 1642 gegründet wurde, herrschte in Deutschland der Dreißigjährige Krieg, Galileo Galilei starb im Hausarrest bei Florenz und René Descartes prägte den Satz „Ich denke, also bin ich“. Genau, so alt ist dieses Modehaus.

Der aktuelle Geschäftsführer Wolfgang Kraus, mit Mitte 30 noch recht jung, übernahm das Geschäft vor vier Jahren. Das Geschäft war zu dieser Zeit auf klassische Damenmode für den gehobenen Anspruch fokussiert. Hauptlieferant war das inzwischen insolvente Unternehmen Gerry Weber. Kraus erkannte die Zeichen der Zeit und steuerte gegen. Klar war, dass der Kundenkreis erweitert werden musste. Doch dafür mussten völlig neue Zielgruppen angesprochen werden, ohne jedoch die Bestandskundschaft zu vergraulen.

Entscheidende Impulse kamen durch ein Coaching der Rid-Stiftung, das in Kooperation mit der BBE Handelsberatung durchgeführt wurde. Coach Peter Frank von BBE legte zusammen mit Wolfgang Kraus die Richtung fest: Die Zielgruppe des Modehauses „Kraus am Eck“ sollte verjüngt, das Sortiment attraktiver und moderner werden. Auch der Kommunikationsauftritt sollte sich ändern. Es wurde ein neues Logo entwickelt, das zeitgemäß ist und dennoch die lange Historie des Modehauses widerspiegelt. Doch dabei blieb es nicht: Gemeinsam mit der Design-Agentur wurde das Interieur des Ladengeschäfts im Zentrum von Erding von Grund auf neugestaltet.

Eine Herausforderung war es, passendes Personal zu finden. Klar war von Beginn an, dass die bestehende Mannschaft erhalten werden sollte. Schließlich ging es um über die Jahre gewachsenes Fachwissen sowie Kundenbeziehungen, die weiterhin gepflegt werden sollten. Gleichzeitig wurde jüngeres Personal eingestellt, um neue Zielgruppen zu erreichen. Die Idee: Jede Kundin soll die für sie passende Beratung finden. Eine Strategie, die aufgegangen ist, denn die angestammte Kundschaft wurde gehalten und immer mehr jüngere Kundinnen kommen hinzu. Seit der Wiedereröffnung im neuen Design und mit frischem Elan steigen die Umsätze kontinuierlich. Peter Frank erklärt das so: „Die Transformation war mutig, konsequent, aber doch behutsam. Nicht jeder traut sich an Veränderungen, viele sind zu vorsichtig und laufen Gefahr, dass die Kunden keinen Mehrwert in der Neupositionierung sehen.“ Für das Modehaus „Kraus am Eck“ hat sich der Mut des Inhabers Wolfgang Kraus ausgezahlt: „Für mich konnte es keinen besseren Zeitpunkt für die Übernahme geben. Die etwas angestaubte, aber bestens eingeführte Marke Kraus und die dank meines Vaters äußerst solide wirtschaftliche Situation bildeten eine ideale Ausgangsbasis. Es hat großen Spaß gemacht, dieses Potential gemeinsam mit Peter Frank freizulegen und in eine neue Zeit zu führen – ganz so, wie es Generationen vor mir auch immer wieder getan haben.“ Damit ist das Modehaus ein Paradebeispiel dafür, wie sich mittelständische Textilgeschäfte trotz schwieriger Bedingungen im stationären Handel mit einer klaren und konsequenten Positionierung auch gegen scheinbar übermächtige Wettbewerber behaupten können.

Ansprechpartner:
Peter Frank

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