Ministerkonferenz für Raumordnung: Lässt sich der Online-Handel räumlich planen?

Wie wird sich die Zunahme des Online-Handels auf die Qualität der Versorgungsstrukturen auswirken? Wie lässt sich der rasant wachsende Lieferverkehr auf den Straßen besser steuern? Und wie können Städte und Gemeinden zukünftig so geplant werden, dass sie die Auswirkungen des Online-Handels besser berücksichtigen?

Diese und andere Auswirkungen auf Siedlungsstrukturen und den Verkehr in Deutschland werden laufend im Ausschuss für Raumentwicklung der Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) diskutiert, deren Arbeitsgruppe „Online-Handel“ von der BBE Handelsforschung beraten wird. Und zu diskutieren gibt es dort viel.

Das liegt laut Markus Wotruba, Leiter Standortforschung, BBE Handelsberatung, daran, dass die Raumordnung bislang ausschließlich auf die Standortsteuerung des stationär-raumbedeutsamen (also großflächigen) Einzelhandels ausgerichtet ist. Ziel ist es, die räumliche Allokation von Einzelhandelsbetrieben so zu planen, dass wichtige sogenannte Versorgungsbereiche (ZVB) entwickelt und die Versorgung der Bevölkerung gesichert wird. Das Problem: Bisher wurden in der Raumplanung nur stationäre Händler berücksichtigt, nicht aber der stetig wachsende Online-Handel. Dieser „verräumlicht“ sich nicht durch Verkaufsflächen, sondern durch andere Infrastrukturen wie Logistikimmobilien und neuen Lieferkonzepten, Rechenzentren oder Bürogebäuden. Wotruba: „Hinzu kommt, dass es über das genaue Wachstumspotenzial des Online-Handels keine zuverlässigen Prognosen gibt.

Die Meinungen gehen dazu stark auseinander.“ Während Vertreter aus dem Lager der Online-Pure-Player gerne das vollständige Aussterben von „Bricks & mortar“ beschwören, verweisen moderatere Stimmen auf neue Verkaufs- und Filialkonzepte, in denen digitale und analoge Verkaufskanäle oft fein miteinander verwoben sind. Wieder andere betonen die zunehmende Fragmentierung des Handels im Allgemeinen und des digitalen Handels im Besonderen. Dass Konsum in Zukunft nur noch im Internet stattfinden werde, sei keine Einbahnstraße. Während sich beispielsweise Textilien und Elektronikartikel immer öfter im Internet verkauften, liege der Online-Marktanteil im Lebensmittelhandel trotz massiver Anstrengungen der Anbieter noch immer im niedrigen einstelligen Bereich. Dass Menschen ihre Lebensmittel vor dem Kauf gerne in der Hand halten und die Frische prüfen wollen, bedeute einen Nachteil für den Online-Vertrieb, der sich nicht ohne weiteres beheben lasse.

Hinzu kommt laut Wotruba, dass der Online-Handel in Deutschland regional sehr unterschiedlich nachgefragt ist und sich daher auch auf die Raumstruktur auswirkt.

Was ist also zu tun? Sicher ist, dass die Zunahme des Online-Handels mehr denn je die Steuerung des stationären großflächigen Einzelhandels erfordert – allein schon deshalb, da sich die Bundesländer keine Gestaltungsspielräume aus der Hand nehmen lassen sollten. Im Gegenteil: Immer mehr Bundesländer und Kommunen erkennen, dass die Digitalisierung immer stärker in die Wirtschaft und die Lebensbereiche der Menschen vordringt und kein Weg mehr um die Ausarbeitung eigener Digitalisierungs- und Raumplanungsstrategien herumführt. Wotruba: „Die Herausforderung wird darin liegen, die hierfür notwendige regionalen Datengrundlagen zu schaffen, die nur mit einer engeren Zusammenarbeit zwischen Landesregierungen und Kommunen mit Handel und Forschung möglich ist.“

Ansprechpartner:
Markus Wotruba

BBE Handelsberatung München
Brienner Str. 45
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