Handelsimmobilien: Trotz Strukturwandel bei Anlegern beliebt

Mit einem bunten Themenmix trafen sich Marktteilnehmer und Experten aus Handel und Immobilienbranche zum 17. Mal auf dem Deutschen Handelsimmobilien-Kongress. Im Fokus standen der Wandel bei stationären Traditionsformaten, vor allem aber der Trend zur gemischt genutzten Handelsimmobilie.

Mixed-use – was bei einigen Investoren wegen hoher Entwicklungskosten und des komplexen Managements der Immobilien oft für Unbehagen sorgt, hat in der Geschichte europäischer Städte schon lange Tradition und war Grundlage der Zentrenentwicklung, klärte Roland Schäfer, Vizepräsident des Deutschen Städte- und Gmeindebunds, auf. Um die Marktplätze, Rathäuser und Kirchen der Innenstädte entstand ein kleinteiliger Mix aus Handwerk, Handel, Gewerbe, das das wilde Treiben urbaner Räume begründete. Die Monokulturen in vielen modernen Städten seien daher nicht immer vorteilhaft.

Stellt sich die Frage: wann und wo genau sind Multi-Use-Immobilien sinnvoll, und vor allem: für wen? Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE Handelsberatung, griff den Faden auf und erklärte aus der Perspektive von Handelsunternehmen, Investoren und Projektentwicklern welche Vorzüge, aber auch Stolpersteine bei der Weiterentwicklung von Handelsprojekten in Multi-Use-Objekte lauern. Stumpf: „Mischimmobilien sind unter anderem wegen günstiger Kopplungseffekte oft besser an die Handelswelt angepasst als sortenreine Objekte. Sie sind jedoch – je nachdem, welche Mischung man genau wählt – extrem individuell.“ Standardlösungen sind daher nicht in Sicht und wären laut Stumpf auch nicht zu empfehlen. „Jede Mischnutzung muss speziell zu ihrem Standort und dem Wettbewerbsumfeld passen.“ Je komplexer die Mischnutzung, desto mehr Arbeit müsse in die Positionierung gesteckt werden. ‚Multi-use‘ verlange immer auch eine Doppelkompetenz: Zum einen müsse der Wettbewerb am Mikro- und Makrostandort genau betrachtet werden (Handelskompetenz), um herauszufinden, welche Erlebnisse den Menschen bereits woanders geboten werden, und wie man sich selbst hervorheben könne. Zum anderen sei ein stark engagiertes und gut vernetztes Vermietungsteam (Immobilienkompetenz) vonnöten, da die Entscheidungswege gerade in Mischnutzungen immer länger, die Bereitschaft der Mieter jedoch immer kleiner würden.

Ein Praxisbeispiel dazu durfte nicht fehlen. Norbert Wögler (Isaria Wohnbau AG) und Lars Jähnichen (IPH Handelsimmobilien) präsentierten die Quartiersentwicklung „ZAM“ in München-Freiham. Anwohner und Besucher werden in dem dortigen Neubaugebiet vor allem einen urbanen Marktplatz mit Geschäften, Gastronomie- und Freizeitangeboten vorfinden, der dem Leitgedanken des „offenen Einkaufes“ folgt. Gleichzeitig wird aber die gleiche Warenvielfalt und -verfügbarkeit wie in einem klassischem Shopping-Center geboten. Allerdings kommt das „Center“ in einem ungewöhnlichen Gewand daher: Verwaltet werden wird der Standort zwar zentral wie bei einem klassischen Einkaufszentrum. Es wird ein gemeinsames Vermietungs- und Centermanagement geben und auch die Vielfalt des Warenangebots wird vergleichbar sein. Hier hören jedoch die meisten Gemeinsamkeiten auf.

Denn städtebaulich wird sich das „ZAM“ nicht an klassischen Center-Bauweisen, sondern an innerstädtischen Vorbildern orientieren. Genauso wie in gewachsenen Innenstädten üblich, werden in Freiham viele der Geschäfte an Plätzen liegen, die den Anwohnern mit Wasserspielen und viel Gastronomie großzügigen Raum zum Verweilen geben. Zur Offenheit passt auch, dass sich die Geschäfte gleichmäßig auf mehrere Gebäude verteilen und sich nicht unter einem einzigen Dach versammeln. Ihre Ein- und Ausgänge führen nicht in ein gemeinsames Foyer, sondern ins Freie. Arkadengänge entlang der hohen zweigeschossigen Außenfassaden – seit der Antike Symbol des freien Handels im römischen Forum beziehungsweise der griechischen Agora – schützen die Menschen nicht nur vor dem Wetter. Sie haben vor allem eine wichtige „Schaufensterfunktion“ für die Mieter und Hersteller, die die Möglichkeit haben, ihre Produkte prominent und gut einsehbar zur Schau zu stellen.

Ansprechpartner:
Joachim Stumpf

BBE Handelsberatung München
Brienner Str. 45
80333 München

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