Ein Leben nach Corona: Die Top-10-Strategien für Innenstädte

Als wären Digitalisierung und neue Kundenpräferenzen nicht genug: Der stationäre Einzelhandel befindet sich – in kleinen wie großen Kommunen – unter ernsthaftem Druck. Das gefährdet das wirtschaftliche Ökosystem „Innenstadt“ sowie die Lebensqualität in den Zentren.

Was für viele Städte und Betroffene nicht neu ist, hat durch die Folgen der Coronakrise nun eine dramatische Dimension angenommen. Die öffentliche Gesundheitslage hat den Strukturwandel, wie wir ihn aus den zurückliegenden Jahren kannten, noch einmal deutlich beschleunigt. Im Ergebnis nimmt die Leitfunktion des Einzelhandels für die Innenstädte leider immer weiter ab.

Dem Trendmonitor Deutschland vom Juli dieses Jahres zufolge sind zwar viele Menschen (25 %) froh, nach dem Lockdown wieder in Geschäften einkaufen zu können. Zudem wird ein attraktiver Mix aus Offline- und Online-Angeboten von den Verbrauchern gut angenommen. Allerdings beabsichtigt jeder fünfte Verbraucher (21 %; Vorkrisenniveau: 22 %), zukünftig noch etwas häufiger online einzukaufen, statt in klassischen Geschäften. Damit es am besten gar nicht erst dazu kommt, haben wir zehn Maßnahmen identifiziert, mit der sich die Wiederstandsfähigkeit der Innenstädte stärken lässt:

 

1. Nähe zahlt sich aus

Das Beispiel des Lebensmittelhandels zeigt, dass sich das Mobilitätsverhalten der Menschen ändert: Die Distanzsensibilität der Verbraucher nimmt zu. Und weil die Preissensibilität der Menschen sinkt, entscheiden zunehmend Nähe und Angebotsqualität, ob das physische Ladengeschäft aufgesucht wird oder eben nicht. Im Ergebnis sollten Händler lieber eine etwas kleinere Fläche nah beim Kunden wählen als eine große Fläche, die schwer erreichbar ist.

 

2. Wohnen in der Innenstadt

Apropos Nähe: Gerade junge, karriereorientierte Menschen messen urbanen Lebensstilen mehr Wert zu als dem Wohnen im Grünen. Eine Stadt der kurzen Wege kann den demografischen Trend nutzen, um die Grundfrequenz in der Innenstadt zu erhöhen. Zum Beispiel, indem Wohnraum über der Erdgeschosszone mit Geschäften errichtet wird und gemischte Quartiere das Zusammensein von Anwohnern und Händlern ermöglichen.

 

3. Gastronomie – das neue Shopping

Die Gastronomie wurde lange Zeit als ergänzende Nutzung in Handelslagen gesehen. Vor Kurzem war jedoch zu beobachten, dass die einzelhandelsnahe Gastronomie einen regelrechten Boom erlebte. Gastronomie macht den Handel zum Gastgeber, stärkt den Erlebnischarakter des Einkaufens und erhöht Verweildauer sowie Kundenfrequenz.

 

4. Branchenvielfalt macht attraktiv

Vielfältige Angebote erzeugen mehr Kaufanreize, schaffen Clustereffekte und Agglomerationsvorteile – und somit positive Auswirkungen auf die Einkaufslagen. Ein aktives City- oder Stadtteilmanagement kann mit gezielten Betriebsansiedlungen einen positiven Einfluss auf den Branchenmix nehmen.

 

5. Individuelle Serviceangebote punkten

Innenstädte und Einzelhändler können auf Krisensituationen wie einen öffentlichen Shutdown verstärkt mit Service reagieren, zum Beispiel mit Lieferservice und ‚Click & Collect‘ sowie telefonischer und Online-Kundenberatung. Besonders nach der Krise wird es darauf ankommen, zurückkehrenden Kunden mit Serviceangeboten die Vorteile der regionalen Einkaufs- und Erlebnislandschaft der Innenstädte schmackhaft zu machen.

 

6. Digitale Sichtbarkeit

Auch stationäre Geschäfte müssen heutzutage online sichtbar sein. Es reicht aber nicht aus, nur einen Onlineshop zu betreiben. Der Faktor Mensch spielt bei der Digitalisierung eine große Rolle, der Kunde will emotional angesprochen werden und sucht nach dem Mehrwert eines Angebots. Lokale Quartiersinitiativen und Online-Plattformen für die „Nachbarschaft“ für Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen können die Online-Aktivität lokaler Händler bündeln und geben auch Händlern mit geringen Ressourcen eine Präsenz im Internet.

 

7. Freizeit: Mehrwert für die Innenstadt

Wider die Monokultur: Wenn schon nicht fürs Einkaufen ziehen Aufenthalts-, Kommunikations- und Erlebniswelten mehr Menschen in die Innenstadt. Dafür ist eine Rückbesinnung auf die Leitfunktionen der europäischen Stadt mit einem auf das Gemeinwesen orientierten Stadtzentrum zu achten. Gewinner der Zukunft: Innenstädte, die verstärkt auf städtebauliche Qualitäten und die Kultur- und Freizeitfunktion setzen.

 

8. Tourismus belebt die Innenstadt

Neben öffentlichen Veranstaltungen hat es auch die Tourismusbranche derzeit nicht leicht. Nach den Kontaktbeschränkungen ist jedoch deutlich spürbar, dass insbesondere der deutsche Inlandstourismus wieder in die Städte zurückkehrt. Einen interessanten Lösungsvorschlag hat München: Um Verluste in der Hotellerie aufzufangen, wurden Bürger aus der eigenen Stadt mit besonders günstigen Übernachtungen angelockt.

 

9. Veranstaltungen und Events sind Grundfunktion

Die Innenstadt (früher: der Marktplatz) nimmt eine wichtige Daseinsgrundfunktion wahr, in der sich die Bedürfnisse der Menschen nach Wohnen, Arbeit, Bildung, Versorgen und Erholung erfüllen. Erholung beinhalten aus der heutigen Sicht neben Shoppingerlebnis auch Veranstaltungen und Events. Gerade mit der zunehmenden Digitalisierung gewinnt die Stadtmitte als Ort der Kommunikation und des Austauschs (wieder) an Bedeutung.

 

10. Leerstandsmanagement und temporäre Nutzungen

Selbst überschaubarer Leerstand hat Auswirkungen auf das Image einer Geschäftslage. Kreative Zwischennutzungen hingegen können freien Flächen ein neues Leben geben und beugen beispielsweise Vandalismus vor. Ein Beispiel ist Pop-up-Living: Innerstädtische gewerbliche Leerstände werden dabei als neuer Wohnraum genutzt.

Ansprechpartnerin:
Magdalena Schurr

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