E-Scooter: Fachhandel droht den Boom zu verschlafen

Ja, nein, doch: Nach langem Hin und Her hat sich der Bundesrat Mitte Mai dafür entschieden, Elektrostehroller, sogenannte E-Scooter, für den Verkehr auf Deutschen Straßen und Radwegen freizugeben. Andreas Scheuer will die Straßenflitzer noch im Sommer dieses Jahres offiziell zulassen, auch um in deutschen Städten eine dringend benötigte Verkehrswende anzuschieben.

Gemäß der dann umgesetzten „Elektrokleinstfahrzeugeverordnung“, kurz eKFV, dürfen die Roller nach dem offiziellen Startschuss ab einem Alter von 14 Jahren und ohne gesonderte Fahrerlaubnis gefahren werden. Einzig ein Versicherungskennzeichen ist vonnöten. Die Zielgruppe ist damit klar definiert: Vor allem junge Leute sollen bald in Scharen auf die Trittbretter springen und mit maximal 20 km/h durch die Städte fahren. Nicht jeder Händler scheint diese Hoffnung zu teilen, denn viele sind noch unentschlossen, ob und wie sie auf die Neuerung reagieren sollen.

„Elektrostehroller sind ein Verkaufstrend mit Ansage. Es ist schade, dass viele Fahrrad- oder Sportfachhändler trotz der langen Vorlaufzeit zögern und die Flitzer nicht oder erst spät ins Sortiment aufnehmen“, analysiert Gunter Ehe, Branchenexperte bei der BBE Handelsberatung, die Stimmung in der Branche. Dabei sind die E-Scooter wie geschaffen für den Fachhandel. Wie jede neue Technologie erfordern sie aus Sicht des Kunden, der sie das erste Mal ausprobieren will, viel Beratung. Für den Käufer ist das Fahrverhalten aufgrund des sehr tiefen Trittbretts erst einmal ungewohnt und auch die Handhabung sollte kompetent erklärt werden. Zudem ist eine Probefahrt mit fachkundiger Anleitung von Vorteil, bevor man sich eines der immerhin bis zu 2.400 Euro teuren Geräte leistet.

„Besser später als nie“, mag sich mancher Händler denken, der jetzt noch auf den Zug aufspringen will. Doch dafür muss er sich beeilen. Die Elektrotretroller werden längst auch im Elektronikhandel und in SB-Warenhäusern angeboten. „Dem mittelständischen Fachhandel bietet sich bei E-Scootern die Chance, spezielle Stärken wie die hohe Beratungskompetenz gegen die großen Ketten auszuspielen. Stattdessen laufen sie Gefahr, dass ihnen die besser vorbereiteten filialisierten Unternehmen die Butter vom Brot nehmen“, erläutert Ehe.

Wie groß das Marktpotenzial der E-Scooter später einmal sein könnte, lässt sich bereits erahnen. Dem Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge „Electric Empire“ zufolge sind schon 200.000 bis 250.000 dieser Gefährte auf den Straßen unterwegs – vor der offiziellen Legalisierung wohlgemerkt. Den allermeisten Rollern, die aktuell in Gebrauch sind, fehlt daher die allgemeine Betriebserlaubnis und sie dürfen nicht bewegt werden. Die Zahlen zeigen jedoch, wie groß das Interesse der Kunden ist. Es gibt allerdings auch Stimmen, die den neuen Mobilitätstrend mit Sorge sehen. Versicherer und Unfallchirurgen warnen vor einem erhöhten Verletzungsrisiko im Straßenverkehr, zumal die schnellen Roller ohne Helm gefahren werden dürfen. Für den Betrieb eines E-Scooters ist daher eine eigene Kfz-Haftpflichtversicherung erforderlich, die Privathaftpflicht deckt eventuelle Schäden nicht. Anders als die bereits fahrenden (nicht zugelassen) Modelle, sind die neuen Scooter mit zusätzlichen laufenden Kosten verbunden, die sich an denen für klassische Elektroroller orientieren dürften.

Bildquelle: Walberg Urban Electrics.

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