Dorfläden: Nachhaltige Nahversorgungskonzepte im ländlichen Raum?

Der Handel – vor allem mit Produkten des täglichen Bedarfs – hat sich in der Vergangenheit, vor allem aus kleineren Orten in ländlich geprägten Räumen, zurückgezogen. Grund dafür war, neben dem demographischen Wandel, insbesondere die wachsende Mobilität durch die zunehmende PKW-Verfügbarkeit.

Zwar ist wegen der zunehmenden Distanzsensibilität der Kunden gegenwärtig eine Reurbanisierung des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) zu beobachten. Allerdings profitieren viele kleine Orte nicht von der Verlagerung von peripheren Standorten in wohngebietsnahe Lagen, da deren zu geringe Einwohnerzahlen nicht den Mindesteinzugsgebietsgrößen vieler Lebensmitteleinzelhändler genügen. Cem Onay, Junior Consultant bei der BBE Handelsberatung in München: „Um die verbrauchernahe Grundversorgung langfristig sicherzustellen bedarf es - insbesondere im ländlichen Raum - Nahversorgungskonzepte, welche an die individuellen räumlichen und strukturellen Gegebenheiten angepasst sind.“ Um den negativen nahversorgungsstrukturellen Entwicklungen entgegenzuwirken, hat sich in den letzten Jahren als Folge, vor allem in Landgemeinden, das Konzept der Dorfläden etabliert.

Ein positives Beispiel ist die im September 2016, sich aus einem bürgerschaftlichem Engagement heraus, gegründete „Dorfladen Schweighausen eG“. Drei ehrenamtlich tätige, geschäftsführende Vorstände sowie sieben, ebenfalls ehrenamtlich tätige Aufsichtsratsmitglieder wollten mit dem Bau des Dorfladengebäudes und dem Betrieb eines Dorfladens mit Café, die Nahversorgung im Dorf aufrechterhalten. Onay: „Im ständigen Austausch mit der Bevölkerung wurde das im Schwarzwald gelegene Dorfladengebäude in Holzrahmbauweise, mit ausschließlich regionalen Handwerkern und mit über 100 freiwilligen Helfern in über 3.000 ehrenamtlich geleisteten Stunden erbaut.“ Die Architektur und der Innenausbau des insgesamt rd. 160 qm großen Dorfladens (davon 90 qm Ladenbereich, 40 qm Cafébereich, 30 qm Terrasse) spiegeln die Tradition sowie die Moderne des Schwarzwälder Bergdorfes wieder.

Eine Besonderheit solcher Dorfladen-Konzepte besteht laut Onay dabei darin, dass sie nicht nur Nahversorger, sondern darüber hinaus auch ein Ort für soziale Begegnungen und der Kommunikation für Jung und Alt sind. „Dabei ist der Dorfladen Teil des kommunalen Gesamtkonzepts der Gemeinde, das mit der Errichtung eines Bürgersaals und des Bürgertreffs im Bergdorfhaus versucht, die Aktivitäten und den sozialen Austausch der Bürger aktiv zu bündeln.“ Eine dadurch entstehende hohe Identifikation der Dorfgemeinschaft mit genossenschaftlich organisierten Dorfläden könne somit dazu beitragen, dass derartige Nahversorgungskonzepte in ländlich geprägten Räumen nachhaltig und vor allen Dingen auch wirtschaftlich erfolgreich sein können.

Ansprechpartner:
Cem Onay

BBE Handelsberatung München
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80333 München

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