Corona-Pandemie: Die Auswirkungen der Coronakrise auf den Möbelkonsum

Die Coronakrise hat die Möbelbranche in einer guten Konjunkturphase getroffen. Januar und Februar waren von einer gestiegenen Nachfrage gekennzeichnet, so dass die „Auftragsbücher“ voll waren. Aus diesem Grund konnten einige Aufträge noch im Lockdown abgeschlossen werden. Die Auslieferungen und Montagen wurden angepasst an die neuen Bedingungen mit kleinen Einschränkungen durchgeführt.

Diese strukturellen Besonderheiten führen dazu, dass sich die Branche im Moment als recht robust darstellt. So geben in einer aktuellen Umfrage der BBE nur ca. 15 Prozent der Möbelhändler ein Insolvenzrisiko an, im Gegensatz zu durchschnittlich über 30 Prozent im ganzen Handel. Die Ware verdirbt oder veraltet nicht, wie z.B. in der Fashionbranche, und wird zum Großteil erst mit dem Kaufvertrag bestellt. Da viele Unternehmen in eigenen Immobilien betrieben werden, besteht zwischen Mieter und Vermieter Interessenkongruenz im Gegensatz zu Fremdmietverhältnissen. Die Kurzarbeit bot eine gute Möglichkeit, die Personalkosten kurzfristig zu regulieren, und wird auch in vielen Fällen im weiteren Jahresverlauf ein wichtiges Instrument sein.

Ende des Jahres kann von einer Erholung ausgegangen werden, im besten Fall sogar von einer Entwicklung nahezu auf Vorjahresniveau durch die Kompensation der negativen Effekte durch Nachholkäufe.

Die Auswirkungen des Lockdowns und der nachhaltigen Folgen der Corona-Pandemie werden sich erst jetzt bzw. in den kommenden Wochen – also zeitversetzt – zeigen. Aus diesem Grund dürfen sich die Verantwortlichen gegenwärtig nicht wegen des bisher oft glimpflichen Verlaufs zurücklehnen, sondern müssen die nächsten Monate in Szenarien planen und frühzeitig Maßnahmen ergreifen. Dabei ist eine Differenzierung nötig.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Möbelkauf zumeist ein Bedarfskauf ist. Somit werden Anschaffungen, die während des Lockdown nicht möglich waren, tendenziell nachgeholt.

Allerdings sind Zukunftsängste aufgrund der zu erwartenden wirtschaftlichen Auswirkungen und besonders die Kaufkraftbeeinflussung durch Kurzarbeit Gift für die Ausgabebereitschaft. Möbelanschaffungen lassen sich zumeist sehr gut aufschieben. Das ist die negative Seite des Bedarfs- bzw. Ersatzkaufs. Die Auswirkungen zeigen sich aktuell insbesondere in Regionen mit sehr stark betroffenen Wirtschaftszweigen, wie Automobil.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch positive Einflüsse. Viele Reisen sind für 2020 abgesagt, und die Reisepläne werden wahrscheinlich auch zukünftig eher eingeschränkt. Dies führt zusammen mit dem staatlich verordneten „Cocooning-Effekt“ wiederum zu einer höheren Kaufbereitschaft und der Chance, dass Möbel und Einrichtung wieder einen höheren Stellenwert bekommt. Hiervon scheinen im Moment v.a. kleinere Betriebe, die sich auch während des Lockdown oft als flexibler herausgestellt haben, überdurchschnittlich zu profitieren. Auch Anbieter aus dem Hochwertsegment können auf positive Effekte hoffen, da ihre Klientel zumeist weniger Zukunftsängste haben muss. Dies wiederum hängt eng mit der Stärke der folgenden Weltwirtschaftskrise zusammen. Ein kleiner Sondereffekt dürfte aktuell das Segment Büromöbel erfahren, da die Bedeutung des Homeoffice deutlich gestärkt wurde.

Großflächenanbieter und Filialisten waren zumeist stärker vom Lockdown betroffen, wenn sie nicht schon davor funktionierende Onlinevertriebskanäle hatten. Zudem wurden Großflächen zu Beginn des Restarts eher gemieden. Dieser Effekt ist aktuell noch immer spürbar und in allen Handelsbranchen zu beobachten. Das zeigt sich nicht zuletzt auch in den „Eröffnungsrabatten“, die von vielen Wohnkaufhäusern angeboten werden, um die geringen Frequenzen zu verbessern. Inwieweit das dazu dient, den Stellenwert des Möbels nachhaltig zu erhöhen, bleibt dahingestellt. Sinnvoller scheinen da klare Strategien zur Vertrauensschaffung und ein angepasster Verkaufsprozess zu sein. Hier tun sich aber viele der größeren Betriebe offenbar noch schwer.

Das Jahr 2020 wird durch den Lockdown und die Unsicherheiten zu einem deutlichen Umsatzrückgang führen. Je nachdem, wie ausgeprägt die einzelnen Einflüsse wirken und wie hoch der Nachholeffekt ausfällt, kann im besten Fall 2021 eine Annäherung an den ursprünglichen Prognosewert und somit ein klassischer V-Verlauf erfolgen. Im schlechtesten Fall bleibt die Nachfrage weiterhin gedämpft.

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