Corona-Maßnahmen: Trotz existentieller Bedrohung im Handel breite Zustimmung für Politik

Der Lockdown hat zu einem noch nie erlebten Umsatzeinbruch im Einzelhandel geführt, der für viele Unternehmen zu einer Existenzbedrohung geworden ist. Die BBE Handelsberatung hat in einer Umfrage die Stimmung und Erwartungen der Händler erfragt.

Ein wenig überraschendes Ergebnis der Umfrage der BBE Handelsberatung ist, dass fast 90 Prozent der befragten Einzelhandelsunternehmen in diesem Jahr mit einer negativen bzw. sehr negativen Geschäftsentwicklung rechnen. BBE-Geschäftsführer Joachim Stumpf: „Die dramatischen Umsatzausfälle, volle Lager und die schlechte Konsumlaune der Verbraucher zeigen ihre Wirkung. Branchenübergreifend werden viele Unternehmen diese massiven Umsatzausfälle nicht aufholen können.“ Einzige Ausnahmen sind der Lebensmittelhandel, Drogerien, Fahrradhändler sowie die Bau- und Gartenmärkte.

11 Prozent der befragten Händler befürchten nach der BBE-Umfrage eine Insolvenz. Sollten sich diese pessimistischen Erwartungen bestätigen, werden laut Stumpf die Liquiditätsprobleme dieser Unternehmen spätestens im Herbst dazu führen, dass sie aufgeben müssen. Stumpf: „Kredite, Soforthilfen und Mietstundungen halten die Betriebe derzeit noch über Wasser. Sind alle Reserven aufgebraucht, droht die Insolvenz.“ Insbesondere alteingesessene Schuh- und Bekleidungsfilialisten stehen unter Druck. „Unter den gegebenen Umständen werden viele Einzelhändler nicht länger als ein bis zwei Monate aushalten,“ prognostiziert Stumpf. Die Krise wirke für zahlreiche Unternehmen als Beschleuniger von strukturellen Problemen. Massive Geschäftsschließungen werden sich zudem negativ auf das Gesicht der Innenstädte auswirken, denn so Stumpf „attraktive und lebendige Innenstädte brauchen den Handel“.

Die befragten Händler rechnen in diesem Jahr durchschnittlich mit einem Umsatzrückgang von -25 Prozent. Einige Branchen befürchten sogar ein noch deutlicheres Minus. Stumpf:

„Für schlecht positionierte und finanziell schwache Händler verstärkt sich der Handlungsdruck.“ Cross Channel-Händler erwarten dagegen für 2020 einen zumindest nicht ganz so drastischen Umsatzeinbruch.

Erwartungsgemäß sieht der Handel bei den Themen Liquidität, Umsatz, Fixkosten und Miete die größten Herausforderungen. Eine deutliche Mehrheit der befragten Händler (knapp 60 Prozent) halten die Einschränkungen und Maßnahmen der Behörden bzw. der Politik für angemessen. Stumpf: „Diese hohe Zustimmung ist insofern etwas überraschend, als dass es sich aktuell um eine massive existentielle Bedrohung für viele Unternehmen handelt. Trotzdem sieht immerhin fast Zweidrittel der Einzelhändler die Beschränkungen und Auflagen der Politik als alternativlos an.“

Laut BBE-Umfrage hat ein Fünftel der Betriebe mit Kurzarbeit auf die Krise reagiert. Die Beantragung von Soforthilfen, Kreditaufnahmen, Stundungen beim Finanzamt, Umstrukturierungen im Betrieb oder eine Kostenminimierung folgen als weitere Maßnahmen, um die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu mildern. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen hält die getroffenen Maßnahmen jedoch für nicht ausreichend, um durch die Krise zu kommen. Stumpf: „Wir merken in unserer täglichen Beratung, dass die Branche verständlicherweise stark verunsichert ist. Viele Händler spüren den Handlungsdruck, wissen aber mit Blick auf die oftmals großen Liquiditätsprobleme nicht, wo genau sie den Hebel ansetzen sollen.“

Ansprechpartner:
Joachim Stumpf

BBE Handelsberatung München
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