Retail unter Druck: Wandel und wachsende Ansprüche der Konsumenten

Die gut gefüllten Ränge verrieten bereits, dass das Thema des 8. CoRE Handelsimmobilientags in München beim Publikum einen besonderen Nerv getroffen zu haben schien. Denn der stationäre Handel befindet sich inmitten eines tiefgreifenden Strukturwandels, ausgelöst durch den E-Commerce, einem veränderten Kauf- und Mobilitätsverhalten der Kunden und der Verlagerung von Einzelhandelsstandorten. Längst ist klar: Die altbewährten Erfolgsformeln des Handels funktionieren nicht mehr. Wie also kann unter den veränderten Spielregeln noch Wachstum generiert werden?

Die einhellige Meinung der Teilnehmer des Handelsimmobilientags: Der Anpassungs- und Verdrängungsdruck im Einzelhandel wächst. Händler und Vermieter von Einzelhandelsobjekten müssen sich immer mehr einfallen lassen, um die Kunden in die Läden zu locken.

Beginnen wir mit der guten Nachricht: Die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den deutschen Einzelhandel sind so günstig wie schon seit 20 Jahren nicht mehr. Beschäftigung und Binnennachfrage steigen, die Umsätze können – nachdem sie in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf der Stelle traten – erfreulich deutliche Zuwächse vorweisen, konstatierte Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE Handelsberatung und IPH Handelsimmobilien in einer Bestandsaufnahme. Die schlechte Nachricht: Etwa seit 2011 findet das Wachstum kaum noch in der Fläche statt. „Der konjunkturelle Rückenwind, den wir sehen, fließt vor allem in den Online-Handel“, diagnostiziert Stumpf und verweist auf zweistellige, wenn auch nachlassende Wachstumszahlen für die Konkurrenz aus dem Internet. Die Euphorie der stationären Händler halte sich daher in Grenzen. Und die Handelsimmobilienbranche?

Zwar führe das Wachstum insgesamt zu mehr Warenaustausch, dieser äußere sich jedoch kaum noch in der Schaffung neuer Verkaufsflächen. Statt Handelsimmobilien seien verstärkt innovative Logistikimmobilien und -konzepte gefragt, mit denen sich die Waren flexibel und schnell an die Haustür des Kunden liefern lassen. In einigen Handelslagen nehme der Abwärtsdruck auf die Mieten bereits zu, die Verhandlungsmacht der Eigentümer schwinde langsam. Den stationären Händlern hingegen bleiben Stumpf zufolge genau zwei Optionen, um auf den wachsenden Druck des Online-Handels zu antworten: „Entweder, die Händler sind exzellent und haben eine ganz klare Positionierung für einen stationären Verdrängungswettbewerb, und/oder sie selbst wachsen online mit.“ Die Einzelhandelslandschaft sei durch einen zunehmenden „Hyperwettbewerb“ gekennzeichnet, in dem dank verschiedenster Omnichannel-Strategien immer mehr Händler immer aggressiver auf dem Markt konkurrierten und der dem Verbraucher immer mehr Möglichkeiten des Einkaufes bietet. Für die Immobilienwirtschaft wird sich das Hauptbetätigungsfeld auf eine Wertsteigerungsstrategie für bestehende Standorte konzentrieren.

Um die Frage, wie die Attraktivität stationärer Angebote erhalten werden kann, ging es im Vortrag von Markus Wotruba (Leiter Standortforschung, BBE Handelsberatung). Die Problemstellung: Auf welche Ankermieter können Vermieter noch setzen, um die Frequenzen in ihren Centern und Fachmarktzentren zu erhöhen? Hierzu präsentierte Wotruba die Ergebnisse einer Umfrage, die im Rahmen der Studie „Der Mieter im Fokus“ erstellt wurde und die Anforderungen und Zukunftserwartungen der Branche misst. Im Vergleich zu den Erhebungen der Vorjahre habe sich bestätigt, dass die Food-Branche anderen Ankermietern aus den Bereichen Elektro, Textil und Baumarkt den Rang in der Gunst der Asset-Manager abgelaufen hat. Die Kunden der Lebensmittelhändler seien weitaus weniger ins Internet abgewandert, gleichzeitig aber die stationären Umsätze im Bereich Food überdurchschnittlich gewachsen. Und der Lebensmittelhandel selbst? Der bevorzuge insbesondere Agglomerationsstandorte und suche Kopplungseffekte mit Drogeriemärkten.

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Ansprechpartner:
Joachim Stumpf

BBE Handelsberatung München
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