Betriebsprüfungen durch das Finanzamt: Teilwertabschläge gut begründen!

Das Thema Teilwertabschläge ist das am meisten im Fokus stehende Thema bei Prüfungen. Es gibt immer wieder Anlass zu weitreichenden Diskussionen mit den Prüfern der Finanzämter. Bei einer Prüfung kommen immer wechselnde Themen auf den Tisch, das Thema der Teilwertabschläge bleibt hingegen beständig im Mittelpunkt.

Wichtig ist dabei, wie man sich dieser Diskussion entgegenstellt und wie man sich vorbereitet hat. Jürgen Hanke, Senior Consultant bei der BBE Handelsberatung: „Nach einer Vielzahl von Gesprächen mit Händlern lässt sich festhalten, dass die Diskussionen über die Teilwertabschläge immer sehr unterschiedlich verlaufen können. Auch bei vergleichbaren Unternehmen kann bei verschiedenen Prüfungen die Diskussion unterschiedlich verlaufen und das Ergebnis der testierten Teilwertabschläge anders ausfallen.“ Es gibt keinerlei dezidierte rechtliche Regelung, wie genau und in welcher Höhe der Teilwertabschlag richtig anzusetzen ist. Daher ist eine Diskussion mit dem Prüfer vorprogrammiert. Die Chancen, dass der Prüfer die vorgenommen Teilwertabschläge anerkennt, steigen, wenn die Nachprüfbarkeit der Bewertungsmaßstäbe und der saisonal vorgenommenen Preisabschriften nachvollzogen werden kann.

Grundlage der Bewertung der vorliegenden Warenbestände ist die Inventur, die Aufnahme der Warenbestände. Neben einer weit verbreiteten Stichtagsinventur kann auch eine permanente Inventur vorgenommen werden. Hanke: „Hierbei muss mindestens einmal im Jahr jede Warengruppe und jeder Artikel aufgenommen und gezählt werden. Heutzutage werden die Artikel mit MDE-Geräten aufgenommen und mit dem Bestand aus dem Warenwirtschaftssystem abgeglichen. Fehlbestände werden entsprechend korrigiert und ausgebucht.“ In Zukunft wird auch bei der Inventuraufnahme die fortschreitende Digitalisierung Einzug finden. Durch die RFID-Technologie, bei der die einzelnen Artikel mit einem RFID-Chip ausgerüstet werden oder die Etiketten einen RFID-Chip beinhalten, kann der Aufwand der Inventuraufnahme erheblich reduziert und effizienter gestaltet werden.

Nach der Inventuraufnahme sollte man insbesondere die Fehlerlisten genauer unter die Lupe nehmen und analysieren. Hierbei können einige Erkenntnisse gewonnen werden:

  • Welche Artikel weisen eine höhere Verlustquote auf?
  • Welche Fabrikate / Marken weisen überdurchschnittliche Differenzen auf? 
  • Welche Filialen haben eine höhere Differenz?
  • Welche Preislagen haben eine überdurchschnittliche Differenz?

Aus diesen Erkenntnissen können Maßnahmen abgeleitet werden:

  • Schulung des Personals
  • Überprüfung der Prozesse
  • Umstellung der Präsentationen
  • Sicherung bestimmter Artikel und Sortimente
  • Videoüberwachung bestimmter Filialen, etc.

Steuerrechtlich ist es anerkannt und zulässig, dass die Teilwertabschreibung wegen Sinkens des zukünftigen Verkaufspreises zur Anwendung kommt. In der Praxis stößt dies jedoch immer wieder auf Schwierigkeiten. Bei der Bilanzerstellung ist für das Umlaufvermögen das Niederstwertprinzip anzusetzen. Dies bedeutet, dass alle Risiken zu berücksichtigen sind, die die Verkaufsfähigkeit des Artikels oder Produktes beinträchtigen und reduzieren. Nach den Steuerrichtlinien ist der Teilwert der erzielbare Verkaufserlös gekürzt um den durchschnittlichen Rohgewinnaufschlag. Hierbei werden die zukünftigen Verkaufspreise zum Ansatz und neue Einkaufspreise in Bezug zum durchschnittlichen Aufschlag des Unternehmens gebracht. Der Unterschied zwischen neuem und altem Einkaufspreis ist der Teilwertabschlag.

In der Praxis wird die Bewertung der Ware in der Regel in Bezug zum Alter der Warenbestände vorgenommen. Hierbei gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen, da die Ware sehr unterschiedlich altert und die zukünftigen Preisverluste / zukünftigen erzielten Aufschläge recht verschiedene sind. Hanke: „Bei Branchen, die sehr modisch sind, fallen in der Regel die Preisverluste in den nachfolgenden Saisons erheblich höher aus. Daher gibt es keinen allgemeinverbindlichen Teilwertabschlag, der in allen Branchen und Bereichen zum Ansatz kommt.“ Wenn es bei der Prüfung zu weiteren Diskussionen und Unstimmigkeiten mit dem Prüfer kommt, ist es sehr wichtig, dass die vorgenommenen Teilwertanschläge auch nachgewiesen werden können. Hierzu sollte aus dem Warenwirtschaftssystem eine Liste gedruckt werden, aus der die realisierten Preisverluste für die Ware der alten Saisons ersehen werden können. Liegen die realisierten Preisverluste auf Höhe der vorgenommenen Teilwertabschläge, hat man Argumente, um bei einer derartigen Diskussion bestehen zu können. Sollte das Unternehmen nicht über ein Warenwirtschaftssystem verfügen, können auch die Etiketten der verkauften und reduzierten Ware über das Jahr in einer separaten Box gesammelt werden, um dem Finanzprüfer auf diesem Wege die Höhe der realisierten Preisverluste nachweisen zu können. Hanke: „Allerdings ist dies auch keine Garantie, dass die Teilwertabschläge bei einer Prüfung in vollem Umfang anerkannt werden. Für diese Diskussion ist man jedoch wesentlich besser gewappnet.“

Ansprechpartner:
Jürgen Hanke

BBE Handelsberatung München
Brienner Str. 45
80333 München

Tel: +49 89 55118-165
Fax: +49 89 55118-153
E-Mail: hanke@bbe.de

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